Google (nicht) benutzen
Google ist toll, oder? Google Search, Gmail, Google Reader, Google Docs, AdSense, Google Analytics, Picasa, usw. – das ist schon praktisch.
Was ich aber als Problem bei Google ansehe, sind die Missbrauchsmöglichkeiten meiner Daten.
Ich glaube gar nicht, dass Google “böse” ist – ich glaube, die meisten da sind einfach Nerds, die gerne Technologie entwickeln und sich freuen, wenn viele Leute das benutzen. Klar, genau so wie Microsoft verdrahten sie alle Dienste untereinander – aber das ist auch praktisch für den Nutzer!
Andersherum kann man seine Daten relativ gut aus den Google Diensten exportieren und für dies und jenes einfach einen anderen Anbieter wählen. Ein Zwangs-Bündeln wie bei Microsoft findet meiner Meinung nach nicht statt.
Also: Mein Problem mit den Datenmengen, die Google sammelt, ist, dass jemand, der nicht bei Google arbeitet irgendwie an die Daten herankommen könnte und diese verknüpft und so Personenprofile erstellt. Ich selbst habe zwar nichts angestellt, was nicht prinzipiell auch öffentlich sein könnte, tausende Dissidenten in China und anderswo aber schon – und man hat ja schon davon gehört, wie Google mit der chinesischen Regierung zusammenarbeitet. Ausserdem möchte man seine eigene, private Kommunikation und seine Interessen nicht für jeden offen legen – wer weiss, wer einem in 10 Jahren mal was Böses will?
Was tun? Google nicht benutzen? Vielleicht. Vielleicht vor allem: darauf achten, was Google so macht, etwa im Google WatchBlog. Interessant ist zum Beispiel dieser Artikel bei Golem über die Zusammenführung der Daten von Google Analytics mit anderen Datenbeständen.
Es gibt auch viele Leute, die über Google jammern und es trotzdem benutzen. Sie verdienen ihr Geld mit Werbung, die über Googles AdSense geschaltet wird. Wenn Google aus irgendwelchen Gründen ihre Seite als weniger wichtig einstuft (und/oder z.B. in der Suche weiter unten anzeigt), dann wird das direkt auf dem Konto spürbar. Diejenigen können sich langsam nach Alternativen zu AdSense umschauen – oder ihre Seite nach Googles Gusto gestalten, damit das Ranking wieder steigt.
Ich werde Google Produkte weiterhin benutzen. Warum? Weil ich bestimmte persönliche Daten sowieso nicht im Internet lagere, denn das kommt für mich immer einer “halben Veröffentlichung” gleich – es könnte z.B. jemand mein Webmail-Passwort erraten (naja, nicht wirklich). Ausserdem glaube ich, dass ein grobes Fehlverhalten von Google dazu führen würde, dass sich sämtliche einschlägige Medien darauf einschiessen, dass Google ab jetzt “evil” ist – und dann sehen plötzlich alle die Alternativen. Ich wäre einer der ersten Google-nicht-mehr-Benutzer. Aber erst dann.
Man denke übrigens auch mal darüber nach, ob personalisierte Werbung nicht eigentlich angenehmer ist als unpersönliche. Möchte ein Angler nicht gern über neue Angelruten informiert werden? Ich möchte jedenfalls nicht über Angelruten informiert werden, sondern lieber über die Dinge, die ich im Netz anschaue, suche, bookmarke, einkaufe.
Es gibt übrigens tatsächlich brauchbare Alternativen zu den Google Diensten, auch wenn viele von Yahoo stammen:
- Suche: Yahoo, Ask, für englischsprachige Seiten
- Suche: Metager2 für deutschsprachige Seiten
- Suche: exalead um immer erstmal bei Wikipedia zu suchen
- Photos: Flickr (Yahoo)
- Groups: Yahoo
- News: Yahoo
- Kalender: Yahoo
- Bookmarks: del.icio.us
- Werbung: adsensealternatives.org
- iGoogle (Startseite): Netvibes
- Analytics: AWStats, SiteMeter, Mint
- Freemail: Yahoo, GMX, Web.de, und natürlich zahlreiche kostenlose Desktop-Mail-Clients
- Webmail: Roundcube
- Talk: ICQ, Skype, etc.
- Blog: WordPress
- Blogsuche: technorati
- Reader: Netvibes, Tiny Tiny RSS oder Dekstop-Anwendungen wie Akregator (Linux) und Feedreader (Windows)
- Sites: MySpace o.ä.?
- Youtube: hat meines Erachtens keine ernstzunehmende Konkurrenz …
Für viele Anwendungen bietet sich ohnehin privater Webspace bzw. ein eigener Server an. Klar, das kostet Geld, ist aber auch leichter zu personalisieren, man kann in seiner Lieblingssprache Anwendungen schreiben usw. usf. und natürlich ist die Sicherheit der Daten in den eigenen Händen (ob das so viel sicherer ist? Es sind immerhin weniger Daten
)
UPDATE:
Mir wurde berichtet, Cuil sei nun wirklich nicht zu gebrauchen. Das kann ich bestätigen, habs daher in der Liste rausgenommen.
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Comments
Comment by Anonymous
Zeit 2009-04-14 um 19:04
ohne google geht nichts
Comment by Konrad Völkel
Zeit 2009-04-15 um 09:05
Ähm, was _spezifisch_ geht denn ohne Google nicht? Ich sehe nicht, dass die Internet- oder Web-Architektur in irgendeiner Weise von Google abhängig ist (geschweige denn irgendwas “ausserhalb” des Internets).
Wer nicht im Zweifelsfall auf Google Produkte verzichten kann, hat m.E. etwas falsch gemacht.
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Comment by henrik
Zeit 2008-09-26 um 23:47
mit ist jetzt klar geworden, weshalb ich schon immer dazu tendiert habe google gegenüber yahoo vorzuziehen: werbung, der große vorteil von google liegt darin, das die werbung nicht ins auge springt.